Montag, 27. Juli 2009

Abschieds-Gottesdienst von Pfarrer Murdoch



Bietigheimer Zeitung vom 27. Juli 2009:

Zum Abschied Platzmangel
Paul C. Murdoch wird Studienleiter des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen
Der letzte Gottesdienst von Pfarrer Dr. Paul C. Murdoch in Hohenhaslach musste am gestrigen Sonntag wegen akuten Platzmangels in der Kirche sogar in die alte Schule übertragen werden.


Brechend voll war am gestrigen Sonntag die Hohenhaslacher St.-Georg-Kirche. Und damit nicht genug, musste der fast zweistündige Gottesdienst auch noch in die benachbarte alte Schule übertragen werden, wo noch einmal fast 100 Sitzplätze bereitgestellt waren.

Eine dankbare Kirchengemeinde nahm Abschied von ihrem überaus beliebten Seelsorger: Pfarrer Dr. Paul C. Murdoch (56) wird demnächst Leiter des Albrecht-Bengel-Hauses in Tübingen, in dem Theologiestudenten ihre Heimstatt haben.

Den Hauch von Trennungsschmerz, der über diesem Gottesdienst schwebte, versuchte der gebürtige Kanadier Murdoch in seiner letzten Predigt locker und humorvoll zu überbrücken. Doch auch er konnte seine Rührung nicht ganz verbergen, zu sehr war ihm die Kirchengemeinde, die kleine St.-Georgs-Kirche hoch droben auf dem Berg und die idyllische Weinbaugemeinde ans Herz gewachsen.

Dabei ist Murdoch schon viel herumgekommen in der Welt. Nach dem Studium in Tübingen war er nach einem Zwischenspiel in Urbach (Rems-Murr-Kreis) als "Missionar im Lehramt" in Mikronesien, Finnland und Pakistan eingesetzt. Seine Sprachkenntnisse reichen von Englisch, Französisch, Deutsch und Latein bis zu Russisch und Finnisch. In Hohenhaslach war er dann schnell daheim und mit ihm seine Frau und die sechs Kinder. Für den Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, Reinhard Baumgärtner, war das "Allroundgenie" auf Grund seiner unkomplizierten, humorvollen, offenen Art ein "Glücksfall für den Ort". Dass Murdoch lebendig und verständlich predigen konnte, sprach sich rasch herum. Mit immer neuen Ideen verstand er es, Gottesdienste interessant und spannend zu gestalten. Während anderswo Kirchen auch an Sonntagen gähnend leer sind, nahm in Hohenhaslach der Gottesdienstbesuch sprunghaft zu.

Der kluge und sehr belesene Pfarrer, der nicht nur mit der Bibel, sondern auch mit Computern umzugehen versteht, verband seine theologische Wortverkündigungen oft mit passenden Erkenntnissen aus den Naturwissenschaften und fand dafür ein dankbares Publikum.Auch seine Ehefrau und seine Kinder brachten sich in der Kirchengemeinde voll ein. Das Gemeindeleben blühte auf.

Für Sachsenheims Bürgermeister Horst Fiedler war Murdoch schlicht ein "Begleiter in allen Lebenslagen". Dass er besonders schnell auch Kontakt zu Jugendlichen fand und pflegte, hielt der Rathauschef für eine besonders wichtige Gabe. Kein Wunder, dass auch an diesem Sonntag auffallend viele Jugendliche und junge Familien bei seinem Abschied dabei waren. "Sie hinterlassen in Sachsenheim eine Menge Spuren, sichtbare und unsichtbare", bedankte sich Fiedler bei dem Kirchenmann für die fruchtbaren Jahre. Rektor Eginhard Fernow von der Kirbachschule meinte, dass der Ruf nach Tübingen "schon sehr stark gewesen sein muss"", wenn ein Mann wie Murdoch, der so gern in Hohenhaslach gelebt und gearbeitet hat, "Württembergs Toscana" verlässt. In der Tat kehrt der Geistliche nun buchstäblich zu den Wurzeln zurück. Im Albrecht-Bengel-Haus wird er zusammen mit seiner Frau die Theologiestudenten betreuen. Er wird darüber hinaus aber auch seine engagierte Tätigkeit als Vorsitzender des Arbeitskreises "Religionsfreiheit-Menschenrechte-Einsatz für verfolgte Christen der Deutschen Evangelischen Allianz (Akref) fortsetzen. Aber er wird, wenn ihn die Sehnsucht übermannt, auch sein Hohenhaslach wieder besuchen. (Andrea Jungnickl)

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